Resilienz

Die sieben Faktoren der Resilienz

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„Resilienz ist weder ethisch gut noch schlecht. Es ist nur die Fähigkeit und die Kapazität, unter Bedingungen von enormer Belastung und Veränderung robust zu sein.“[1]

 

Der Begriff Resilienz (lat. riselere – zurückspringen, abprallen) und wurde zunächst in der Materialkunde verwendet, um die Fähigkeit eines Materials zu beschreiben, nach einer elastischen Verformung in den Ausgangszustand zurückzukehren.

Im psychologischen Kontext wird Resilienz beschrieben als die  Fähigkeit, Krisen, Widrigkeiten, Traumata, Tragödien, Bedrohungen oder erhebliche Stressquellen – wie Familien- und Beziehungsprobleme, ernste Gesundheitsprobleme oder Stressfaktoren am Arbeitsplatz gut bewältigen zu können und wieder in einen Zustand zurück springen zu können, wir er vor der Krise vorhanden war, also elastisch auf Belastungen reagieren zu können. Resilienz umfasst Verhaltensweisen, Gedanken und Handlungen, die erlernt und entwickelt werden können.“[2]

Der  Resilienz wurde insbesondere durch die Forschungsarbeit der amerikanischen Psychologin Emmy Werner bekannt. Sie beobachtet über 40 Jahre lang knapp 700 Kinder, die 1955 auf der Hawaii-Insel Kauai geboren wurden. Knapp 1/3 dieser Kinder wuchsen unter äußerst schwierigen Verhältnissen auf (Armut, Krankheit der Eltern, Vernachlässigung, Gewalt in der Familie, Misshandlung, niedriger Bildungsstand der Eltern, usw.). Etwa 2/3 dieser Kinder fielen als Jugendliche durch Lern- oder Verhaltensstörungen auf, wurden straffällig bzw. psychiatrisch auffällig. Sie entwickelten sich ebenso, wie Ihre Eltern, negativ. Gleichzeitig entwickelten sich jedoch 1/3 dieser Kinder (ohne Eingriffe durch die Forscher) erstaunlich positiv. Sie waren erfolgreich in der Schule, waren in das soziale Leben integriert und wiesen zu keinem Zeitpunkt der Untersuchung irgendwelche Verhaltensauffälligkeiten auf. Die grundlegende Erkenntnisse aus dieser Studie waren,

  1. dass Menschen, die unter vergleichbaren Umständen aufwachsen, aufgrund von Persönlichkeitseigenschaften sowie aufgrund von Verhaltensweisen eine ganz unterschiedliche Entwicklung nehmen können.
  2. Dass Resilienz im Gegensatz zu anderen Eigenschaften, wie Intelligenz entwickelt werden kann.[3]

Resilienz wird zwar vor allem in Krisen sichtbar, aber sie ist weit mehr. Resiliente Menschen kommen mit Herausforderungen im Leben allgemein besser klar, als psychisch schwache Menschen.

In der Literatur findet man im Wesentlichen zwei unterschiedliche Ansätze dazu, welche Faktoren für eine gute Resilienz grundlegend seien. Der erste Ansatz basiert auf den Forschungsarbeiten von Karen Reivich und Andrew Shatté (2002) und wird in Deutschland vor allem vom Frankfurter Psychologen und Resilienztrainer, Dr. Denis Mourlane vertreten.[4] 

Resilienz beruht nach Reivich, Shatté und Mourlane auf sieben Fähigkeiten[5]:

Die Grunderkenntnis dieses Modells ist, dass unsere Emotionen und Verhaltensweisen in schwierigen Situationen „nicht durch Ereignisse selbst ausgelöst werden, sondern durch die Art und Weise, wie wir diese Ereignisse interpretieren.“[6] Diese Aussage knüpft an das ABC-Modell nach Albert Ellis an, mit dem Menschen ihre Bewertungen einer gegebenen Situation wahrnehmen und überprüfen können, um so ihre Reaktionen und Emotionen zu regulieren und zu steuern. Dies bedeutet u.a., dass die genanten sieben Fähigkeiten nicht unveränderbar sind, sondern erlernt und verbessert werden können.

Während im Modell von Reivich, Shatté und Mourlane sieben menschliche Fähigkeiten als besonders wirksame Resilienzfaktoren benannt werden, wird von Jutta Heller und anderen ein Mischmodell aus 3 Fähigkeiten und 4 (in Krisen sinnvollen) Verhaltensweisen („Die sieben Säulen der Resilienz“) vertreten:

 Fähigkeiten:

  • Akzeptanz 
  • Optimismus
  • Lösungsorientierung: 

Verhaltensweisen:

  • Selbstwirksamkeit, sich selbst regulieren
  • Verantwortung übernehmen
  • Beziehungen gestalten
  • Zukunft gestalten

„Sie sollten sich Resilienz so vorstellen wie eine Floßfahrt auf einem Fluss. Auf einem Fluss können Sie Stromschnellen, Kurven, langsames Wasser und seichte Stellen treffen. Wie im Leben wirken sich die Veränderungen, die Sie erfahren, auf dem Weg anders aus. Wenn man den Fluss bereist, hilft es, Wissen darüber zu haben und Erfahrungen im Umgang damit zu haben. Ihre Reise sollte von einem Plan geleitet werden, einer Strategie, von der Sie annehmen, dass sie gut für Sie funktioniert. Beharrlichkeit und Vertrauen in Ihre Fähigkeit, sich um Felsbrocken und andere Hindernisse zu arbeiten, sind wichtig. Sie kannst Mut und Einsicht gewinnen, indem Sie erfolgreich durch das Wildwasser navigieren. Vertrauenswürdige Begleiter, die Sie auf der Reise begleiten, können besonders hilfreich sein bei Stromschnellen, Stromaufwärts und anderen schwierigen Flussabschnitten. Sie können hinausklettern, um sich am Fluss auszuruhen. Aber um ans Ende der Reise zu kommen, müssen Sie wieder ins Floß steigen und weitermachen.“[7]

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Quellen

[1] Zit. Diane Coutu, How Resilience Works, Harvard Business Review, Mai 2002

[2] Vgl. http://www.apa.org/helpcenter/road-resilience.aspx (Übersetzung)

[3] Vgl. Denis Mourlane, Resilienz. Die unentdeckte Fähigkeit der wirklich Erfolgreichen, Göttingen, 2014, S. 44

[4] Vgl. Denis Mourlane, Resilienz. Die unentdeckte Fähigkeit der wirklich Erfolgreichen, Göttingen, 2014, S. 44

[5] Zit: Denis Mourlane, Resilienz. Die unentdeckte Fähigkeit der wirklich Erfolgreichen, Göttingen, 2014, S. 44, vgl. auch: Reivich, Karen. The Resilience Factor: 7 Keys To Finding Your inner Strength and Overcoming Life Hurdles, Kindle-Positionen 638-640, (Übersetzung)

[6] Zit. Reivich, Karen. The Resilience Factor: 7 Keys To Finding Your inner Strength and Overcoming Life Hurdles, Kindle-Positionen 1201-1203), (Übersetzung)

[7] Zit. http://www.apa.org/helpcenter/road-resilience.aspx

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