Positive Psychologie

Aus der Geschichte der Positiven Psychologie

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Vor 21 Jahren wurde Martin Seligman zum Präsidenten der American Psychological Association (APA) gewählt. Bei seiner Antrittsrede kritisierte er, dass sich die wissenschaftlich fundierte klassische Psychologie bis dato überwiegend mit dem psychischen Leiden der Menschen beschäftigt habe, während sie wenig wissenschaftlich fundiertes Wissen anzubieten habe, um das Leben derer  zu bereichern, denen es im Wesentlichen gut geht. Und so rief Seligman dazu auf, auch jene Bereiche zu beforschen, die sich mit positiven Aspekten wie Optimismus, Lebenssinn, Zukunftsorientierung, Freude usw. beschäftigen. Als Name für diese „New Science of Human Strengths“ wurde „Positive Psychologie“ gewählt. Dieser neue Zweig der Psychologie, dessen Wurzeln in der Humanistischen Psychologie liegen, versteht sich nicht als Alternative, sondern als Ergänzung zur klassischen Psychologie.

 

Bildnachweis: Eigene Grafik

Ausgehend von Seligmans Initiative entwickelte sich in den vergangenen zwanzig Jahren eine neue Strömung innerhalb der Psychologie, die wissenschaftlich arbeite und ihren Fokus darauf legt, was Menschen allgemein stärkt, ihr Wohlbefinden steigert und das Leben lebenswerter macht.[1]

Geschichtlicher Kontext

Um zu verstehen, warum mit der Positiven Psychologie eine so wichtige Entwicklung im Feld der Psychologie eingeleitet wurde, müssen wir etwas über den historischen Kontext erfahren, in dem die Positive Psychologie entwickelt wurde. 

Wie Martin Seligman und seine Mitstreiter beobachteten, konzentrierte sich zum Ende des 20. Jahrhunderts die klinische Psychologie fast ausschließlich auf die Untersuchung und Behandlung von psychischen Erkrankungen. Dabei herrschte ein Konkurrenzkampf zwischen zwei rivalisierenden Fraktionen: auf der einen Seite die Psychoanalyse, auf der anderen Seite der Behaviorismus.Trotz der großen Unterschiede zwischen diesen beiden Schulen hatten sie sehr viel gemeinsam:

  • Bei beiden lag der Fokus auf der Beseitigung von psychischen Leiden und inneren Konflikten.
  • Beide Schulen waren sehr deterministisch in dem Sinne, dass sie der Auffassung waren, dass die Vergangenheit, insbesondere die Kindheit maßgeblich die persönliche Zukunft bestimmt.

Schließlich war beiden Schulen gemeinsam, dass sie sich wenig für das Denken ihrer Klienten interessierten. Im Falle des naturwissenschaftlich ausgerichteten Behaviorismus, der im Wesentlichen alles Verhalten in Reize und Reaktionen zerlegte, existierten Kognitionen als Forschungsgegenstand im Grunde nicht. Die Psychoanalyse wiederum interessierte sich im Wesentlichen für die unterbewusst lodernden Emotionen als für die Kognitionen. Weder die eine noch die andere Schule interessierte sich für so etwas, wie Tugenden, Glück, eine von der Vergangenheit nicht vorbestimmte Zukunftsorientierung oder für die Frage, wie ein gutes Leben gelingen könnte.

Neuer Ansatz aus alten Erkenntnissen

Positive Psychologie basiert auf der grundlegenden Erkenntnis, dass psychische Erkrankungen zu behandeln, nicht das Gleiche ist wie mentale Gesundheit zu fördern. Loszuwerden was wir nicht in unserem Leben haben wollen bringt uns nicht automatisch das was wir uns wünschen. 

Im weitesten Sinne geht es in der Positiven Psychologie also darum, zu verstehen, wie wir unser Leben gut führen können. Das setzt ein Gleichgewicht voraus zwischen dem Streben nach Dingen, die wir uns wünschen und dem angemessenen Umgang mit Dingen, die wir nicht wünschen. 

Die grundlegenden Fragen, die von der Positive Psychologie gestellt werden, sind nicht neu. Historische Einträge weisen darauf hin, dass grundlegende Gedanken über ein wertvolles Leben und wie wir es verbessern können schon lange im Zentrum der menschlichen Aufmerksamkeit stehen. Über Jahrtausende und Kulturen hinweg, haben Religionsführer, Poeten, Musiker, Künstler, Philosophen und Historiker diese Fragen erforscht. 

Konfuzius, der vor 2500 Jahren in China lebte, war ein früher und einflussreicher Denker, der sich dieser Fragen annahm. Er betonte die Wichtigkeit von echten sozialen Beziehungen für das Individuum und das gesellschaftliche Wohlergehen. Geboren in Griechenland, kurz nach Konfuzius‘ Tod, beschäftigte sich Sokrates mit der Frage, was zu einer guten Lebensführung gehört. Sokrates wiederum hatte großen Einfluss auf Platon, der viele Dialoge über eine Vielzahl von Themen schrieb, die grundlegend für die menschliche Entwicklung sind: Tugendhaftigkeit, Gerechtigkeit, Mut, Frömmigkeit, Wahrheit, Vergnügen, Kreativität, Schönheit und Liebe. Platons berühmtester Schüler wiederum war Aristoteles, der intensiv über den menschlichen Charakter und die menschliche Entwicklung nachdachte und schrieb. 

Als die Psychologie in der neueren Zeit als eigene Disziplin hervortrat, entwickelten Psychologen, wie William James, der als Vater der amerikanischen Psychologie bezeichnet wird Interesse an der Frage, wie man ein gutes Leben führt und welche menschlichen Fähigkeiten dazu beitragen könnten.

Mitte des 20 Jahrhunderts begannen die humanistische Vorläufer der Positiven Psychologie, wie Abraham Maslow, Virginia Satir, Karen Horney, Carl Rogers oder Aaron Antonowsky sich mit Fragen der Potenzialentfaltung und der Salutogenese zu beschäftigen.

Insbesondere der humanistische Psychologe Maslowbetonte die Wichtigkeit des menschlichen Potentials und unser selbsterfüllendes Verlangen danach, dieses zu verwirklichen. Sein Fokus galt dem Wachstum und welche Entscheidungen dazu führen können, er benutzte tatsächlich den Begriff „Positive Psychologie“ in seinen Schriften. 

Doch die Zeit war noch nicht reif und die Methoden noch nicht ausgereift genug, um Nachweise für ihre Thesen erbringen zu können. Dies änderte sich erst in den achtziger Jahren mit den Arbeiten Ed Dieners zum menschlichen Wohlbefinden und Martin Seligmans Arbeit. Insbesondere durch Seligmans Einfluss bekam dieser neue Zweig der Psychogie innerhalb kürzester Zeit viel Aufmerksamkeit und vor allem auch Unterstützung bei Forschungsvorhaben.

Quellen:

[1]Vgl. Ebner, Markus, Positve Leadership, 1. Auflage 2019, Facultas Verlags-und Buchhandels AG, Wien, Kindle Version, German Edition, Positon 704-721

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