Resilienz

Wie Ihnen das NEIN sagen zu mehr Lebensfreude verhilft!

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„Die Fähigkeit,
das Wort NEIN auszusprechen,
ist der erste Schritt zur Freiheit.“
Nicolas Chamfort (1741 – 1794)

Ein wirkungsvolles Instrument!

Zum Thema Zeit- und Energiemanagement gibt es eine Menge sinnvoller Ratschläge – von der ABC-Analyse über das Eisenhower-Prinzip bis zur Zeitmanagement-Matrix von Stephen R. Covey. Diese und viele andere Instrumente können wichtige Hebel sein, um erfolgreich durch den (Arbeits)alltag zu kommen und gesteckte Ziele zu erreichen.

Eines der wirkungsvollsten Instrumente bleibt jedoch häufig auf der Strecke: es ist das NEIN sagen. Das hört sich auf den ersten Blick vielleicht trivial an, ist es aber nicht, denn persönliche Grenzen zu setzen, ist für viele eine schwierige Aufgabe.

Wieso können Sie so schlecht NEIN sagen?

Geht es vor allem darum, dass Sie den Konflikt mit Menschen scheuen, die Sie für wichtig halten? Scheuen Sie den Konflikt mit diesen Menschen? Stellen Sie Ihre Bedürfnisse zurück? Fällt es Ihnen schwer, Ihre Grenzen zu beschützen? Sagen Sie häufig JA, obwohl Sie NEIN meinen?

Welche Motive, welche Bedürfnisse, welche Ängste könnten hinter dieser Verhaltensweise stecken? Handelt es sich z.B. um:

Ihr Gefühl, anderen helfen zu müssen?

Ihre Angst vor Zurückweisung, davor, nicht mehr geliebt, akzeptiert oder gar verlassen zu werden (Beziehung, Freundeskreis, Kollegenkreis)

Ihr Bedürfnis nach Bestätigung und Anerkennung?

Ihr Bedürfnis, dazugehören zu wollen, Zustimmung zu erhalten (Familie, Freundes- oder Kollegenkreis)?

Ihr Bedürfnis auf dem „Zwischenmenschlichen Sparbuch“ ein Guthaben anzusammeln?

Ihr Bedürfnis, empathisch zu sein, weil andere das immer an Ihnen geschätzt haben?

Ihre Angst vor Nachteilen, Ablehnung oder gar Rache, die Sie als Folge Ihres NEIN befürchten?

Ihre Angst, als egoistisch, herzlos oder faul zu gelten?

Ihr Gefühl, anderen nichts zumuten zu können?

Ihre Annahme, dass andere die Aufgabe nicht so gut können, wie Sie selbst?

Ihre Angst, etwas zu verpassen, wenn Sie nicht dabei sind,  z.B. bei Meetings, Partys, Events?

Ein von Ihnen verinnerlichter negativer Glaubenssatz, wie z.B: „ich muss mich zusammenreißen und darf meine Gefühle nicht zeigen“ ?

Konsequenzen

Hinter Ihrer Neigung, JA zu sagen obwohl Sie NEIN meinen, könnten Bedürfnisse, Ängste oder Glaubenssätze stehen, die über häufige Wiederholungen scheinbar zu Ihrer „zweiten Haut“ geworden sind.

Ein erster Schritt, um hier neue Wege zu bahnen, wäre eine kritische Analyse Ihrer Situation sowie der Konsequenzen Ihres Verhaltens.

Wenn Sie zu Anforderungen anderer Menschen JA sagen, obwohl Sie NEIN sagen wollten, dann räumen Sie deren Bedürfnissen und Interessen eine höhere Priorität ein, als Ihren eigenen.

Führen Sie sich vor Augen führen, welche Konsequenzen dieses Verhalten bisher auf Ihr Leben gehabt hat. Überwiegen tatsächlich die Vorteile? Haben Sich Ihre Ängste bestätigt?

Wenn Sie dauerhaft oder regelmäßig gegen Ihre eigenen Bedürfnisse und Interessen handeln,  besteht das Risiko, dass Sie Ihre Zeit und Energie, für die falschen Themen oder an der falschen Stelle einsetzen und über Ihre Kräfte hinaus verbrauchen. Je mehr Sie dafür tun, von anderen geliebt zu werden, desto weniger erreichen Sie dieses Ziel.[1]

Wie können Sie lernen, NEIN zu sagen?

Ihr neuer Weg beginnt heute! Hier einige wichtige Tipps, wie Sie lernen können, NEIN zu sagen:

Sie entscheiden!

Machen Sie sich zunächst klar, dass Sie die Wahl haben, JA oder NEIN zu sagen. Es ist das gute Recht Ihres Kollegen oder ihrer Chefin, Sie um Hilfe zu bitten und es ist Ihr gutes Recht, mit NEIN zu antworten.

Stopp!

Reagieren Sie nicht sofort auf Anfragen, sondern geben Sie zunächst eine Zwischenantwort, die Ihnen eine angemessene Reaktionszeit verschafft: „Ich checke meine Planung und melde mich dann bei Ihnen.“ Dann überlegen Sie gründlich, ob Sie noch Zeit und Energie für die an Sie gestellte Aufgabe haben. Auf was müssen Sie verzichten, wenn Sie JA sagen?

NEIN geht vor!

Ist eine schnelle Antwort notwendig, dann sagen Sie lieber zunächst ganz klar mit fester Stimme NEIN. Keine Weichmacher, keine Unsicherheit, keine Begründung. Zudem ist es einfacher, von einem NEIN zu einem JA zu wechseln, als umgekehrt, sollten Sie Ihre Meinung ändern.

Kompromisse?

Grenzen Sie den Umfang Ihrer Hilfe ein, wenn Sie nicht vollumfänglich NEIN sagen wollen oder können. Bieten Sie die Übernahme einer Teilaufgabe oder Ihre Hilfe für eine bestimmte Zeitspanne an. 

Wer mag wen – und wieso?

Ist Ihre Zuneigung für einen Menschen, den Sie schätzen, davon abhängig, dass dieser zu all Ihren Wünschen JA sagt? Wird Ihre Zuneigung und Wertschätzung dadurch kleiner, dass diese Person für sich einsteht und die eigenen Grenzen schützt? Im Gegenteil, oder? Rationalisieren Sie Ihre Befürchtungen und Ängste: wie wahrscheinlich ist es, dass Ihr NEIN zu ernsten negativen Konsequenzen führt?  

Detektivarbeit!

Erforschen Sie Ihre eigenen Gedanken, Gefühle und Emotionen. Welche Gedanke führen zu welchen Emotionen und erzeugen welche Bedürfnisse und Wünsche? Zu welchen Bedürfnissen sagen Sie bisher JA, obwohl sie NEIN meinen. Welches Potential für mehr Lebensfreude liegt in diesem Feld, wenn sie üben, NEIN zu sagen?

Become Your Own Chairman!

Überlegen Sie, welche Konsequenzen es für Sie tatsächlich hat, dass Sie so oft JA sagen, obwohl Sie NEIN meinen. Wer leidet darunter, welchen Ärger zieht dieses Verhalten nach sich? Tut es Ihnen wirklich gut? Sind ihre Ängste oder einengenden Glaubenssätze wirklich berechtigt, wirklich wahr? Ihr ungewolltes JA bedeutet nämlich ein NEIN für andere Personen oder Themen. 

Neustart!

Setzen Sie Ihre eigenen Prioritäten neu und verbinden Sie diese mit positiven Assoziationen. Wenn Sie sich bewusst machen, was Sie erreichen wollen, auf was sie sich freuen, dann werden Sie wissen, ob ein JA oder ein NEIN zu dem passt, für was Sie in Ihrem Leben stehen. Überlegen Sie, für wen oder was Sie Ihre Zeit und Energie ab JETZT einsetzen werden – und wem oder für was Sie diese Zeit und Energie damit nicht mehr schenken werden. 

Vorsicht, Falle!

Sind Sie ein empathischer Mensch? Dann verfügen Sie über eine sehr wertvolle Fähigkeit. Doch für das Nein-Sagen kann diese Fähigkeit zur Falle werden, wenn Sie zu viel über die Bedürfnisse der anderen und zu wenig über Ihre eigenen nachdenken. Enttäuschen Sie lieber andere, als sich selbst!

Grenzen setzen!

Überprüfen Sie, ob es in ihrem privaten Umfeld Menschen gibt, die meist Hilfe wollen, obwohl sie nicht wirklich hilfsbedürftig sind. Kommunizieren Sie diesen Menschen gegenüber Ihre Grenzen oder grenzen Sie sich ganz bewusst von diesen Energieräubern ab: „NEIN, ich kann Dir leider nicht helfen.“ Wenn die andere Person fragt, „Wieso kannst Du mir nicht helfen?“ könnte ihre Antwort so aussehen: „Was glaubst Du, woran es liegt?“

Vorteile in der Kommunikation!

Werden Sie mit einer Forderung konfrontiert, die Ihnen nicht passt, vermeiden Sie sogenannte „Du-Botschaften“, wie „Da verlangst Du wieder einmal zu viel von mir.“ Besser fahren Sie mit „Ich-Botschaften“, mit denen Sie über sich sprechen: „Ich fühle mich überfordert, weil ich …“ Ich-Botschaften haben den Vorteil, dass niemand ernsthaft widersprechen kann, denn Ihre Empfindung, ist allein Ihre Sache.

Start small but start!

Fangen Sie an, das NEIN-Sagen zu üben. Sie werden schnell mehr Zeit für Themen und Menschen gewinnen, denen Sie dann aus vollem Herzen JA sagen können. Wenn Sie das regemäßig üben, wird eine neue Gewohnheit entstehen, die Ihnen gut tut.

Erfolge im neuronalen Netzwerk verankern!

Führen Sie ein kleines Tagebuch über Ihre Fortschritte beim NEIN-Sagen und wie Sie sich dabei fühlen, welche Vorteile es ihnen gebracht hat, welche Ängste oder einengenden Glaubenssätze sich nicht bewahrheitet haben. Loben Sie sich selbst für Ihre Erfolge, bevor Sie schlafen gehen.

Standhaft bleiben!

Stellen Sie sich darauf ein, dass Ihr neues NEIN nicht sofort akzeptiert wird und Sie ein paar Wiederholungen benötigen, bevor all diejenigen, die bisher gern Aufgaben bei Ihnen abladen durften, Ihr NEIN ernst nehmen. Bleiben Sie bei Ihrem NEIN – ruhig, wertschätzend und bestimmt.

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Ein kluger Ratgeber

Der mittelalterliche Mystiker Bernhard von Clairvaux (1090 – 1153) bringt ganz wunderbar auf den Punkt, worum es in diesem Artikel geht.

Übernehmen Sie Verantwortung für sich, erst dann ganz bewusst für die Anderen. Verhalten Sie sich hilfsbereit und wertschätzend, aber sorgen Sie zunächst für sich, nehmen Sie Ihre Bedürfnisse ernst, stehen Sie für sich ein.

„Wenn Du vernünftig bist, erweise Dich als Schale und nicht als Kanal, der fast gleichzeitig empfängt und weitergibt, während jene wartet, bis sie gefüllt ist.

Auf diese Weise gibt sie das, was bei ihr überfließt, ohne eigenen Schaden weiter.

Lerne auch Du, nur aus der Fülle auszugießen, und habe nicht den Wunsch, freigiebiger zu sein als Gott.

Die Schale ahmt die Quelle nach. Erst wenn sie mit Wasser gesättigt ist, strömt sie zum Fluss, wird sie zur See.

Du tue das Gleiche! Zuerst anfüllen und dann ausgießen.

Die gütige und kluge Liebe ist gewohnt überzuströmen, nicht auszuströmen.

Ich möchte nicht reich werden, wenn Du dabei leer wirst. Wenn Du nämlich mit Dir selber schlecht umgehst, wem bist Du dann gut? Wenn Du kannst, hilf mir aus deiner Fülle; wenn nicht, schone dich.“

Weiterführende Literatur:

Wehrle, Martin, Sei einzig, nicht artig!. Mosaikverlag, 2015.

Sprenger, Reinhard K, Die Entscheidung liegt bei dir. Campus, 2002.

Anmerkungen:

[1] Wehrle, Martin. Sei einzig, nicht artig!: So sagen Sie nie mehr ja, wenn Sie nein sagen wollen, (German Edition) (S.147).

 

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