Teamcoaching

Was macht ein starkes Team aus?

Foto: by andrej lisakov on unsplash.com

Teams sind komplexe und dynamische Gebilde, welche in einer ebenfalls komplexen und dynamischen Unternehmensumwelt eingebettet und zahlreichen Einflüssen ausgesetzt sind.

Wie kommt man also dahin, dass das Ganze mehr ist, als die Summe seiner Teile?

Dieser Frage ging ein Team im HR-Bereich von Google in den Jahren 2013 -2015 systematisch nach. Unter der Leitung von Julia Rozovsky wurden mehr als  200 Interviews mit Google- Mitarbeiter geführt und mehr als 250 Merkmale von mehr als 180 aktiven Google-Teams untersucht. Man war zunächst optimistisch der Annahme das dabei eine perfekte Mischung aus individuellen Eigenschaften und Fähigkeiten finden würden, die für Dreamteam notwendig sind, dass es also wesentlich darauf ankäme, die richtigen Menschen zusammen zu bringen.

Die Auswertung ergab jedoch etwas ganz anderes:

Wer in einem Team ist, ist weniger wichtig als die Art und Weise, wie die Teammitglieder miteinander umgehen, ihre Arbeit strukturieren und wie sie ihre Beiträge für das Team sehen.

5 Schlüsseldynamiken für erfolgreiche Teams

Es wurde deutlich,  dass es fünf Schlüsseldynamiken gibt, die besonders erfolgreiche Teams von anderen Teams bei Google unterscheiden:

  1. Psychologische Sicherheit: Können wir in diesem Team Risiken eingehen, ohne uns unsicher fühlen zu müssen oder zu schämen? In einem Team mit hoher psychologischer Sicherheit fühlen sich Teammitglieder sicher, Risiken im Team einzugehen. Sie sind sich sicher, dass niemand im Team jemanden dafür in Verlegenheit bringen oder bestrafen wird, dass er einen Fehler zugibt, eine Frage stellt oder eine neue Idee anbietet.
  2. Zuverlässigkeit: Können wir uns aufeinander verlassen, dass wir pünktlich und in hoher Qualität arbeiten? Setzen sich alle bestmöglich für die gemeinsame Aufgabe ein?
  3. Struktur & Übersichtlichkeit: Sind Ziele, Rollen und Aufgaben in unserem Team klar? Die Teamziele sind klar und smart formuliert, die Aufgaben sinnvoll verteilt und jeder wird von der Leitung so eingesetzt, dass er seine Stärken optimal einbringen kann.
  4. Bedeutung der Arbeit: Arbeiten wir an etwas, das für jeden von uns persönlich wichtig ist? Die Teammitglieder stehen innerlich hinter ihren Aufgaben und Zielen und sehen sie als wichtig für das Unternehmen oder sogar darüber hinaus an.
  5. Auswirkungen der Arbeit: Glauben wir grundsätzlich, dass die Arbeit, die wir tun, von Bedeutung ist? Die gemeinsame Aufgabe ist auch ein persönliches Anliegen, es liegt eine hohe intrinsische Motivation vor.

Psychologische Sicherheit als Fundament erfolgreicher Teams

Die psychologische Sicherheit war bei weitem die wichtigste der fünf Dynamiken für erfolgreiche Teams, die herausgefunden wurde, denn sie ist die Grundlage der anderen vier Faktoren. Wie kann das sein?

Das sichere Gefühl, Fehler machen und bei anderen ansprechen zu dürfen, ist eine wichtige Grundlage für erfolgreiches Arbeiten im Team. Wir haben jedoch von unserer Kindheit an verinnerlicht und in Glaubenssätze verpackt, dass Fehler etwas schlechtes seien, dass wir uns für Fehler schämen müssten, dass wir auf aggressive Reaktionen bei anderen Menschen stoßen würden, wenn wir sie auf Fehler hinwiesen. Im Ergebnis zögern wir, uns so zu zeigen oder zu äußern, dass wir in der Wahrnehmung der Anderen negativ dastehen könnten. ,

Diese Art von Selbstschutz ist verständlich, behindert jedoch die Zusammenarbeit im Team oder in Arbeitsgruppe. Wenn hingegen alle Teammitglieder erleben, dass es gut und hilfreich ist, offen miteinander umzugehen, dann steigt die Bereitschaft, Fehler einzugestehen, partnerschaftlich miteinander umzugehen und neue Rollen zu übernehmen.

Dies betrifft so ziemlich jede wichtige Dimension, die Mitarbeiter eine Rolle spielen. Mitarbeiter in Teams mit höherer psychologischer Sicherheit verlassen das Unternehmen seltener, sie schätzen die Vielfalt der Ideen ihrer Teamkollegen, sie bringen mehr Umsatz und sie werden von Führungskräften doppelt so oft als effektiv eingestuft.

Um die Erkenntnisse der Untersuchung für das Unternehmen nutzbar zu machen, wurde bei Google ein Tool namens gTeams entwickelt. Nach einem 10-minütigen Pulscheckverfahrens über die fünf Dynamiken wird ein zusammenfassender Bericht über die Teamsituation erstellt. Danach folgt ein persönliches Gespräch zur Diskussion der Ergebnisse und zur Entwicklung maßgeschneiderte Entwicklungsmaßnahmen zur Verbesserung der Teams. Das Tool wurde von hunderten von Teams erfolgreich genutzt.

Fragen und Übungsszenario zum Thema Teampsychologische Sicherheit

Um das Niveau der psychologischen Sicherheit eines Teams zu messen, hat die Organisationswissenschaftlerin Amy Edmondson einen Fragebogen für Teammitglieder entwickelt. Wie stark treffen die folgende Aussagen zu oder nicht zu:

  • Wenn Du in diesem Team einen Fehler machst, wird es oft gegen dich verwendet.
  • Die Mitglieder dieses Teams sind in der Lage, Probleme und schwierige Themen anzusprechen.
  • Menschen in diesem Team lehnen andere manchmal ab, weil sie anders sind.
  • Es ist sicher, in diesem Team ein Risiko einzugehen.
  • Es ist schwierig, andere Mitglieder dieses Teams um Hilfe zu bitten.
  • Niemand in diesem Team würde absichtlich in einer Weise handeln, die meine Bemühungen untergräbt.
  • In der Zusammenarbeit mit Mitgliedern dieses Teams werden meine einzigartigen Fähigkeiten und Talente geschätzt und genutzt.

Um die Ergebnisse der Google-Forschung intern zu fördern, hat das Forschungsteam um Amy Edmondson Workshops mit Teams durchgeführt. In den Workshops wurden anonymisierte Szenarien verwendet, um Verhaltensweisen aufzuzeigen, die die psychologische Sicherheit unterstützen und schädigen können. Die Szenarien werden in Rollen durch gespielt. Hier ist ein Beispielszenario:

Psychologisches Szenario

John ist ein langjähriger Manager, der für seine technische Kompetenz bekannt ist. In den letzten zwei Jahren hat er als Manager des Teams XYZ gearbeitet, das für die Leitung eines Großprojekts verantwortlich ist. Er hält sehr hohe Standards ein, aber in den letzten Monaten ist John immer intoleranter gegenüber Fehlern, Ideen, die er für „unterdurchschnittlich“ hält, und Herausforderungen an seine Denkweise geworden.

Kürzlich hat John öffentlich eine Idee eines erfahrenen Teammitglieds niedergemacht und vor dem einem großen Kreis des Teams hinter dem Rücken sehr negativ über diese Person gesprochen. Alle anderen dachten, die Idee sei stark, gut recherchiert und es lohnt sich, sie zu erforschen.

Inzwischen kommen keine neuen Ideen mehr aus dem TEam.

John´s Ideen trieben den jüngsten Projektvorschlag voran, aber er wurde schließlich von den Führungskräften abgelehnt, weil ihm Kreativität und Innovation fehlten.

Fragen zur Nachbesprechung:

  • Welche Verhaltensweisen sehen Sie, die die psychologische Sicherheit widerspiegeln?
  • Welches Verhalten kann darauf hindeuten, dass die psychologische Sicherheit im Szenario fehlt?
  • Warum ist psychologische Sicherheit so wichtig? Was macht das für einen Unterschied in einem Team? Was haben Sie in Ihren Teams gesehen?
  • Wenn Sie ein Manager sind, beachten Sie diese Empfehlungen, wenn Sie Teammitglieder und Teamkollegen coachen.

Teamcoaching

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Quellen:

https://rework.withgoogle.com/guides/understanding-team-effectiveness/steps/identify-dynamics-of-effective-teams/
Zugriff: 05.08.2018.

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