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Fehler und Missgeschicke – Wie können Sie damit umgehen?

Wir versuchen, Fehler zu vermeiden, Fehler sind unbeliebt, Fehler können gravierende Folgen, z.B. wirtschaftliche Schäden nach sich ziehen. Schon in früher Kindheit wurden wir für Fehler kritisiert und dies hat sich vielfach bis ins Erwachsenenleben im privaten und beruflichen Bereich fortgesetzt. Haben wir einen Fehler begangen, fluchen wir, machen uns selbst herunter, verzweifeln wir. Fehler werden häufig gleichgesetzt mit Dummheit und das ist tragisch.

Foto: unsplash.com

Aber diese Reaktion haben wir verinnerlicht, sie erscheint uns „normal“. Dies gilt ganz besonders dann, wenn wir selbst andere häufig kritisieren, sollten sie einen Fehler begehen. Gleichzeitig ist häufig zu lesen, dass Fehler eine wichtige, ja sogar notwendig Quelle von Entwicklung und Fortschritt seien. Eine Auflistung berühmter Pannen, die zu überraschenden Ergebnissen geführt habe, finden Sie hier. Ohne Fehler würden wir nicht lernen, es besser zu machen, heißt es. Wie können wir also damit umgehen und was können wir daraus lernen, dass Fehler zu unserem Leben gehören?

 

Erkenntnis

Wir sind als Menschen in vielen Bereichen unseres Lebens darauf angewiesen, aus Erfahrungen zu lernen. Wir wären schlicht nicht lebensfähig, wenn wir nicht aus Fehlern lernen würden. Erst die unmittelbare, praktische Auseinandersetzung mit einem Lerngegenstand ermöglicht einem Individuum effektives, sinnstiftendes Lernen. Die Bewältigung von Herausforderungen ist die Basis von Lernprozessen, die in uns ablaufen. Als wir z.B. als kleine Kinder laufen lernten, dann benötigten wir viele Versuche bis wir es schließlich schafften, aufrecht zu gehen, Balance und Geschwindigkeit aufeinander abzustimmen. Schließlich wurde das Laufen zu einer Grundfähigkeit, die wir – sollte uns kein Unglück oder Schlaganfall ereilen – bis ins hohe Alter beherrschen werden, ohne je wieder darüber nachdenken zu müssen.

Bei Herausforderungen, die ein Zusammenspiel zwischen motorischen Fähigkeiten und kognitiven Prozessen erfordern, ist zusätzlich zu vielen Fehlversuchen eine Reflexion, also ein systematisches Nachdenken über die mit der Fähigkeit (z.B. Radeln im Straßenverkehr) verbundenen Problemsituation erforderlich, um zu einer Erweiterung unseres Wissen zu gelangen. Wie wichtig es ist, aus Fehlern zu lernen und offen mit Ihnen umzugehen,  zeigt ein Blick in die Luftfahrt, wo Fehler offen akzeptiert, analysiert und Fehlerquellen sachlich ausgeschaltet werden müssen, um Katastrophen zu vermeiden. Dazu wurde ein Konzept mit dem Namen Crew Resource Management (CRM) entwickelt. Wenn Sie darüber nachdenken, werden Sie auch in Ihrem Leben viele Erfahrungen (z.B. in der Berufsausbildung oder im Studium) finden, in denen Sie über Probieren, Scheitern und Verbessern zu einer Erweiterung ihrer Fähigkeiten gelangt sind.

Akzeptanz

Wenn wir also akzeptieren, dass erfahrungsbasiertes Lernen notwendig mit Fehlern und den daraus gewonnen Erkenntnissen verknüpft ist, dann können wir einen anderen Blick auf Fehler, die wir begehen, gewinnen. In Studien wurde belegt, dass Unternehmen, die eine offene Fehlerkultur leben, erfolgreicher sind. Fehler werden nicht nur früher in der Wertschöpfungskette erkannt, was unmittelbar deren Folgekosten minimiert, sondern sie werden gleichsam als Quelle für Verbesserungsmöglichkeiten an einem Produkt oder einer Dienstleistung genutzt. Schließlich ermuntert der offene Umgang mit Fehlern, Beschäftigte kreativ und ohne Angst an neuen Ideen, Produkten oder Dienstleistungen zu arbeiten, ihre Fehler frühzeitig transparent zu machen und ihre Erkenntnisse weiterzugeben. So kann im optimalen Fall eine lernende Organisation entstehen, was wiederum in einer Wissensgesellschaft ein wichtiger Wettbewerbsvorteil ist.

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Offenheit

Sprechen Sie Missgeschicke, die Ihnen passiert sind, früh und konsequent an. So vermeiden Sie, dass Sie sich lange mit Selbstvorwürfen und schlechtem Gewissen herumplagen und die Angst vor Bloßstellung Ihnen den Schlaf raubt oder Sie bei der weiteren Arbeit innerlich blockiert. Der amerikanisch Psychologe Daniel T. Gilbert konnte nachweisen, dass unser Gehirn bei Krisen Abwehrstrategien einsetzt und sich das Lebensgefühlt nach Niederlagen meist nach einer gewissen Zeit wieder auf dem Ausgangsniveau einpendelt.[1] Zudem sollte es so sein, dass Ihre Offenheit im Umgang mit eigenen Fehlern als ein Zeichen Ihres hohen Verantwortungsbewusstseins und ihres hohen Selbstwertgefühls interpretiert wird.

Entschuldigung

Entschuldigen Sie sich richtig. Mit einer gut vorgetragenen Entschuldigung ernten Sie Respekt. Doch eine gute Entschuldigung ist nicht einfach. Wie man sich am effektivsten entschuldigt haben Wissenschaftler der amerikanischen Ohio State-University untersucht.

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Der Sechs-Punkte-Plan:

  • Bedauern ausdrücken
  • Erklären, was schiefgelaufen ist
  • Verantwortung für das Geschehene übernehmen
  • Buße erklären
  • Wiedergutmachung anbieten
  • Um Vergebung bitten

Nicht alle Punkte sind gleich wichtig und es geht nicht darum, leere Worte abzuliefern. Also geben Sie den Fehler zu, übernehmen Sie die Verantwortung und bieten Sie an, dass Sie sich darum kümmern, dass entstandene Problem zu lösen. Auch die Form der Entschuldigung ist wichtig: schauen Sie Ihrem Gegenüber in die Augen und zeigen Sie dass Sie die Sache ernst nehmen. Schließlich: Bitten Sie um Entschuldigung und geben damit Ihrem Gegenüber die Möglichkeit der Vergebung. Damit haben beide Seiten die Möglichkeit, auch emotional „reinen Tisch“ zu machen.[2]

Fehler-Analyse

Haben Sie  einen Fehler gemacht, schauen Sie genau hin und versuchen Sie zu verstehen, was da passiert ist. Gehen Sie akribisch ans Werk und folgen Sie der Spur ihres Fehlers bis zu seinen Ursachen zurück. Wenn es sich um eine wichtige Arbeit handelt, machen Sie sich Notizen zur Ihrer Analyse und wie sie diesen Fehler zukünftig vermeiden wollen. Tun Sie es umgehend, damit Sie die wichtigen Details nicht vergessen.

Die Erfahrungen anderer nutzen

Lernen Sie nicht nur aus Ihren eigenen Fehlern und Ihrer Fehler-Analyse, sondern beziehen Sie die Erfahrungen und Kenntnisse ihrer Kollegen oder Freunde mit ein. Welche Fehler habe die anderen gemacht, was habe die daraus gelernt, was können Sie daraus lernen. Sprechen Sie offen über das Thema und unterstützen Sie sich gegenseitig bei der Fehler-Analyse und beim Gewinnen neuer Erkenntnisse. Das Prinzip der systematischen Erfassung von negativen und positiven Erfahrungen wird in der Unternehmenswelt „Lessons Learned“ genannt und ist inzwischen fester Bestandteil eines erfolgreichen Projektmanagements.

Positive Haltung

Eine positive Haltung zum Leben kann man lernen. Dies gilt auch für den Umgang mit Fehlern. Es dabei nicht darum, etwas schön zu reden oder verkrampft fröhlich zu sein, sondern darum, dass Sie sich beibringen, möglichst schnell die Realität anzuerkennen und in den jeweiligen Kontext zu stellen:

  • Welche Bedeutung hat der Fehler tatsächlich?
  • Was kann ich tun, um ihn wieder zu beseitigen?
  • Was kann ich daraus lernen – aus dem Fehler selbst sowie aus meinen Umgang mit Fehlern?

Es geht um die Regulierung ihrer Emotionen bei Fehlern und Misserfolgen. Indem Sie Übertreibungen vermeiden, indem Sie negative Glaubenssätze vermeiden und eine realistische Sicht auf die Dinge gewinnen, erreichen Sie, dass Sie möglichst schnell wieder handlungsfähig werden. Ordnen sie den Fehler oder Misserfolg in das Große und Ganze ihres Lebensweges, Ihrer Erfolge und Fähigkeiten ein. Sie werden schnell sehen, dass die allermeisten Fehler dann sehr viel von Ihrer Bedeutung verlieren.

Fazit

Fehler sind in der jeweiligen Situation unangenehm oder sogar ärgerlich. Aber über vergossene Milch zu jammern, bringt nichts, sondern es schadet nur, indem Sie sich damit selbst blockieren. Beschränken Sie sich darauf, aus Fehlern zu lernen und sie damit für die Zukunft zu vermeiden. Sie sind ein Mensch und es wird nicht der letzte Fehler sein, die Sie begangen haben.

Solange Sie aus Ihren Fehlern lernen, waren diese nicht vergebens, sondern können Sie ein Stück voran bringen. Wenn Sie aus ihren Fehlern gelernt haben und in der Folge z.B. ein Projekt erfolgreich abgeschlossen haben, kann nicht nur Erfolg sondern auch Begeisterung entstehen. Ganz so, wie damals in Ihrer Kindheit, als Sie es nach vielen Fehlversuchen zum ersten Mal geschafft hatten, mit dem Fahrrad ohne Stützräder zu fahren und sich damit die Möglichkeit geschaffen hatte, ein Stück mehr von der Welt entdecken zu können.

Also, lassen Sie sich durch Fehler oder Missgeschicke keinesfalls davon abhalten, neugierig die Welt zu schauen und Ihre Komfortzone immer wieder zu verlassen!

Diese Begeisterung, die letztlich aus der Wandlung von Fehlern in Erfolg herrührt, ist wichtiger, als Sie vielleicht denken, denn:

„Das menschliche Gehirn funktioniert (…) nicht wie ein Muskel, den man durch schulische Lernangebote trainieren könnte. Neues Wissen und neue Fähigkeiten und Fertigkeiten erwirbt ein Mensch nur dann, wenn es ihn emotional berührt, wenn ihm etwas unter die Haut geht, wenn also die emotionalen Zentren in seinem Gehirn aktiviert werden. Nur dann werden an den Enden der weitverzweigten Fortsätze der im Mittelhirn in den emotionalen Zentren lokalisierten Nervenzellen sog. neuroplastische Botenstoffe ausgeschüttet. Sie wirken wie Dünger auf die in diesem Zustand emotionaler Beteiligung aktivierten, zur Lösung eines Problems oder zur Klärung einer Fragestellung aktivierten neuronalen Verschaltungen. Sie stimulieren das Auswachsen weiterer Fortsätze und die Bereitstellung weiterer Kontakte und Vernetzungen. 

Deshalb kann man eigentlich nur dann etwas neues Lernen und eine neue Erfahrung in Form neuer Verschaltungsmuster im Hirn verankern, wenn man sich darüber begeistert oder wenigstens freut, wenn das, was es zu lernen gilt, also auch wirklich bedeutsam für denjenigen ist, der lernt. Zu diesen Selbstbildungs- und Selbstaneignungsprozessen kann man Schüler nicht zwingen, weder mit Belohnungen oder mit Bestrafungen. Dazu kann man sie nur einladen, ermutigen und inspirieren.“ [3]

 

[1] Gilbert, D. T., Pinel, E. C., Wilson, T. D., Blumberg, S. J., & Wheatley, T. P. (1998). Immune neglect: A source of durability bias in affective forecasting. Journal of Personality and Social Psychology, 75(3), 617-638.

[2] Jeff Grabmeier, The 6 elements of an effective apology, according to science, Published on April 12, 2016, Ohio State News, Ohio University

[3] Gerald Hüther, Lernen mit Begeisterung – Ein Plädoyer für eine neue Lernkultur, Huffington Post vom 14.07.2016

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